Auch die Schlanken werden dicker

Der Studie zufolge stieg der BMI der Norweger seit 1963 schrittweise erheblich an. Eine besonders deutliche Zunahme gab es seit Mitte der Achtzigerjahre. Davor lag der BMI im Schnitt noch unter 25. Dann erreichte er im Laufe der Jahre Durchschnittswerte im Bereich des Übergewichts. Diese Entwicklung deckt sich auch mit Schätzungen der WHO, nach denen 2008 64 Prozent der Norweger und 51 Prozent der Norwegerinnen übergewichtig waren.

Unterschiede in der Gewichtszunahme

Die Forscher teilten die Menschen in fünf Gruppen ein – von der größten genetischen Veranlagung für Übergewicht bis hin zur niedrigsten. Ein Ergebnis: 35-jährige Männer in den Sechzigerjahren mit dem größten Hang für Übergewicht hatten im Schnitt einen um 1,20 höheren BMI als die Männer mit dem niedrigsten. In den Nullerjahren betrug der Unterschied im Schnitt 2,09.

Männer mit einer Veranlagung für Übergewicht haben in den 40 Jahren also im Schnitt deutlich stärker zugenommen als die ohne solche Genvarianten. Bei 35-jährigen Frauen stieg der BMI-Unterschied zwischen genetisch vorbelasteten und unbelasteten Menschen im Schnitt von 1,77 auf 2,58.

Die deutlichen Unterschiede in der Gewichtszunahme zwischen Menschen mit und ohne Hang zu Übergewicht führen die Forscher auf ein Zusammenspiel der Umwelt und der Gene zurück.

Globale Fettleibigkeitsepidemie

Übergewicht ist ein weltweites Problem. Die Rate der Fettleibigkeit hat sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation von 1975 bis 2016 global fast verdreifacht. 2016 waren demnach fast 40 Prozent der Erwachsenen übergewichtig und 13 Prozent fettleibig.

„Unsere Studie kann keine Antwort über die Ursachen der Fettleibigkeitsepidemie geben“, sagt Studienleiterin Brandkvist. Nützlich sei ein Blick zurück, wie das Leben in den Sechzigerjahren gewesen sei, „als es noch nicht so leicht oder sogar unmöglich war, sich für einen solchen ungesunden Lebensstil zu entscheiden“, schlägt sie vor. „Was und wie viel haben wir damals gegessen, wie schliefen wir und wie viel haben wir uns bewegt?“

Zu viel Essen, zu wenig Bewegung

Ihrer Hypothese zufolge ist die Fettleibigkeitsepidemie mit zu viel Essen und zu wenig Bewegung verbunden – beides sei auch gesellschaftlich bedingt. Zudem könnten auch Gifte und Mikroorganismen dazu beigetragen haben. In einem Editorial des „British Medical Journal“ schlagen US-Wissenschaftler vor, mehr auf einzelne Menschengruppen zu schauen und die individuellen Ursachen des Übergewichts besser zu erforschen anstatt nur bevölkerungsweite Strategien zu verfolgen.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt neben einer gesunden Ernährung für Erwachsene 150 Minuten körperliche Aktivität pro Woche. Bei Kindern sollte es eine Stunde pro Tag sein. Arbeitgeber sollten gesundes Essen und die Möglichkeit zum Sport anbieten.

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