Ein herber Verlust für den Arzneimittelsektor in der EU

Viele Europäer haben sich am Morgen des 24. Juni 2016 verstört dieAugen gerieben und sich gedacht: Das darf doch wohl nicht wahr sein! Ist esaber. Großbritannien verlässt die EU. Seitdem ist der Brexit auf EU-Ebene dasThema Nr. 1. Es spaltet zum Teil auch die verbleibenden 27 EU-Mitgliedstaaten.Außerdem ist UK nicht „irgendein“ Mitgliedstaat. Das gilt besonders für denArzneimittelsektor. DAZ.online hat die ganze spannende Geschichte dervergangenen Monate noch einmal kurz aufgerollt.

Es war von Anfang an nicht die große Liebe zwischen den Briten und derEU. Bei dem Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG)im Jahr 1957 waren sie noch nicht im Boot. Anträge auf Mitgliedschaft in den 60erJahren scheiterten am Veto des damaligen französischen Präsidenten Charles deGaulle, der meinte, Großbritannien passe nicht in die EWG. Der Beitritt gelangschließlich im Jahr 1973, doch sowohl in den 70ern als auch in den 80er- undden 90er-Jahren forderten Parteien aus verschiedenen Lagern immer wieder den Austritt.

Regelungendazu gibt es übrigens erst seit dem Vertrag von Lissabon, der am 1. Dezember2009 in Kraft getreten ist (Artikel 50 AEU-Vertrag). Davor war ein einseitig beschlossener Austritt praktisch nicht möglich.

Eine ganz einfache Frage

In den letzten Jahren nahm die EU-skeptische Grundstimmung in UK weiterzu, und es kam schließlich zu dem schicksalshaften Referendum vom 23. Juni2016. Vielleicht wäre dieses anders ausgegangen, wenn die glühenden Verfechtereines eigenständigen Vereinigten Königreichs die Bürger etwas genauer über dieFolgen des Austritts aufgeklärt hätten. Die Frage: „Mitglied der EuropäischenUnion bleiben“ und „Die Europäische Union verlassen“ lässt sich ganz einfach„aus dem Bauch heraus“ beantworten. Immerhin gaben rund 33,5 MillionenWahlberechtigte (72,2 Prozent) ihre Stimme ab. Der Ausgang war mit knapp 52Prozent pro Austritt und etwa 48 Prozent dagegen denkbar knapp.

Zweijahres-Countdown eingeleitet

Am 29. März 2017 leitete die britische Premierministerin TheresaMay den Austrittsprozess gemäß Artikel 50 AEUV in die Wege. Danach hatten Großbritannienund die EU27 nach den Vorgaben des Vertrags zwei Jahre Zeit, um die Modalitätendes Austritts auszuhandeln. Kommt in dieser Zeit kein Abkommen zustande, so istGroßbritannien am 30. März 2019 automatisch ein Drittstaat. Die Reaktionen inEuropa und seitens der EU waren von Beginn an eindeutig: keine„Rosinenpickerei“ beim Abkommen und Härte in den Brexitverhandlungen, auch umNachahmer in der verbleibenden EU abzuschrecken.

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