KBV: Kassen sollten keine Homöopathie erstatten

Frankreichs Gesundheitsministerin Agnès Buzyn hatangekündigt, dass die nationale Krankenversicherung ab 2021 alleTeilerstattungen für Homöopathika stoppen wird. Eine solche Debatte über dieErstattung von Homöopathika gibt es seit Jahren auch in Deutschland. DieKassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bringt sie nun wiederauf die Tagesordnung: KBV-Chef Dr. Andreas Gassen will nicht, dass dieSolidargemeinschaft für Homöopathika bezahlt.

Während alle Franzosen zumindest derzeit noch ein Recht aufeine 30-prozentige Teilerstattung von homöopathischen Produkten haben, ist dasin Deutschland anders: Hierzulande ist die Homöopathie nicht Teil desGKV-Leistungskataloges (außer als nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel für Kinder bis zwölf Jahren, mit Entwicklungsstörungen sogar bis 18 Jahren, § 34 SGB V). Allerdings können die Krankenkassen solche Arzneimittelfreiwillig, also in besonderen Programmen, (teil)erstatten. Sie könnendas in sogenannten Satzungsleistungen festhalten.

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Mit Blick auf die Entwicklungen in Frankreich sollte ausSicht des KBV-Vorsitzenden Andreas Gassen damit nun aber Schluss sein. „Es gibt keineausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit homöopathischerVerfahren“, sagte Gassen der „Rheinischen Post“. Und weiter: „Werhomöopathische Mittel haben möchte, soll sie auch bekommen, aber bitte nichtauf Kosten der Solidargemeinschaft.“ Gassen begrüßte in der Zeitung den Vorstoßaus Frankreich.

In der Großen Koalition gibt es divergierende Meinungen

Auch SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach hat sich kürzlichgegen die Kostenerstattung von Homöopathie durch gesetzliche Krankenkassenausgesprochen. „Wir müssen in der GroKo darüber reden“, hatte er Anfang Juli gesagt.Ihm zufolge sollen auch freiwillige Leistungen der Krankenkassen wirtschaftlichund medizinisch sinnvoll sein. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der überdie Pflichtleistungen der gesetzlichen Kassen entscheidet, unterstütztLauterbach. 

Gegenwind gab es allerdings aus der Union: Karin Maag, diegesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, will dieSatzungsleistungen der Kassen nicht beschränken. „Wir führen keinen Kreuzzuggegen Heilpraktiker und Naturheilverfahren“, sagte sie. Sie halte es fürrichtig, die Entscheidungsfreiheit der Patienten zu wahren. Allerdings: Auch inder Unionsfraktion gibt es Gegner der Homöopathie-Erstattung. 2017 hatte die Fraktion sogar eine Pressemitteilung herausgegeben, in derCDU/CSU die Erstattung und die Apothekenpflicht von Homöopathika hinterfragten.

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