Persönliche Gesundheit

Brustkrebs gibt’s auch bei Männern: Robert erbte ihn vermutlich von seiner Mutter

Meist ist ein Mammakarzinom bei Männern gefährlicher als bei Frauen – es wird oft zu spät erkannt. Zur Therapie gehört nicht nur die Operation, sondern auch eine Anti-Östrogenbehandlung mit Nebenwirkungen. Robert Glattau hat es am eigenen Leib erlebt und erzählt von seinen Erfahrungen.

  • Bei einem Knoten in der Brust sofort zum Gynäkologen gehen – das gilt auch für Männer.
  • Nach der Brustkrebsoperation müssen Betroffene jahrelang Antiöstrogene schlucken – Hitzewallungen und Libidoverlust sind die Nebenwirkungen.
  • Brustkrebs bei Männern ist zwar selten, aber besonders tragisch, denn viele Ärzte erkennen nicht gleich, dass der Knoten in der Brust Krebs ist und die Behandlung kommt zu spät.

Als er sich morgens im Bett umdreht und über seine rechte Brust fährt, spürt er einen rund einen Zentimeter großen Knoten. Robert Glattau, 54 Jahre alt, beschließt, erst mal eine Woche abzuwarten. Doch der Knoten verschwindet nicht und Glattau geht zum Arzt, genauer gesagt zum Gynäkologen seiner Lebensgefährtin. Irgendwelche Probleme, als Mann im Wartezimmer eines Frauenarztes zu sitzen, hat er nicht – zu sehr macht er sich Sorgen um seine Gesundheit. Eva Eckmayr Robert Glattau war 54 Jahre alt, als er einen Knoten in seiner Brust entdeckte. Weil er sofort zum Gynäkologen ging, wurde der Krebs rasch diagnostiziert und der ehemalige Hotelier überlebte.

Knoten in der Brust – Fettansammlung oder Krebs?

Eine richtige Entscheidung, wie sich herausstellt. Denn der Gynäkologe, als Facharzt auch für Brustveränderungen bei Männern zuständig, macht einen Ultraschall und ordnet sofort eine Biopsie an, die den Verdacht auf einen bösartigen Tumor bestätigt. So verstreicht kaum Zeit zwischen erstem Symptom und der Diagnose.

„Ich kenne Betroffene, bei denen der als erstes konsultierte Arzt den Krebs nicht erkannt hat und sie deshalb monatelang unbehandelt blieben“, berichtet Robert Glattau. Dabei verstreicht wertvolle Zeit, während der sich der Krebs unbehelligt ausbreiten kann – bis eine Krebstherapie womöglich zu spät kommt.

Wegen seiner Erkrankung ist Glattau der Selbsthilfegruppe „Netzwerk Männer mit Brustkrebs“ beigetreten. Als Ansprechpartner für Österreich kennt er viele Schicksale.

Das Warten auf den Befund war besonders belastend

Doch zurück zu seinem persönlich Erlebten. Als bei dem ehemaligen Hotelier bereits nach wenigen Tagen feststeht, dass es Brustkrebs ist, folgen weitere Untersuchungen. Nun kommt es darauf an festzustellen, welche Lymphknoten zusätzlich betroffen sind und ob der Tumor bereits gestreut hat. Das wird mit einer Computertomografie herausgefunden. „Die sechs Tage zwischen Diagnose und dieser Untersuchung waren die schlimmsten in meinem Leben“, erinnert er sich heute. Denn zehn Jahre davor war seine Mutter an Unterleibskrebs verstorben, der zu spät erkannt wurde und deshalb viele Metastasen gebildet hatte.

Keine Metastasen, doch Operation plus Chemotherapie sind nötig

Nach dem CT kann Robert Glattau aufatmen: Es gibt keine Metastasen und auch die Lymphknoten sind frei – bis auf den Wächterknoten, der leicht befallen ist. In einer Operation werden die rechte Brust sowie der Wächterlymphknoten entfernt. „Das war keine große Sache, eine Woche Krankenhaus, eine zehn bis 12 Zentimeter lange Narbe“, fasst er zusammen. Allerdings sind danach Chemo- und Strahlentherapie nötig – also der gleiche Therapieplan wie bei Frauen mit Brustkrebs. Die Behandlungen erfolgen ambulant und dauern insgesamt neun Monate.

Brustkrebs beim Mann – Östrogene spielen eine wichtige Rolle

Vorbei ist damit jedoch noch nicht alles. Eine mehrjährige Anti-Östrogentherapie startet im Anschluss. Warum ist sie nötig? Auch Männer verfügen über weibliche Hormone, wenn auch in geringerer Menge als Frauen. Östrogene können Brustkrebs zum Wachsen anregen, wenn seine Zellen über Hormonrezeptoren verfügen (Hormonrezeptorstatus positiv) – was auch bei Robert Glattau der Fall war.

Anti-Östrogentherapie hat beim Mann Nebenwirkungen

Monatliche Injektionen über drei Jahre hinweg und fünf Jahre lang täglich eine Tablette Tamoxifen gehörten danach zu seiner Anti-Hormontherapie. „Spritzen muss ich jetzt nicht mehr, nur noch bis September die Tabletten einnehmen“, freut sich der Patient. Dann dürfte es auch mit den Nebenwirkungen vorbei sein – Schweißausbrüchen und Libidoverlust.

Die Libido kehrt langsam zurück

Wie ist das für ihn und seine Partnerin? „Wenn ich eine attraktive Frau sehe, denke ich mir, ‚früher habe ich das erregend gefunden‘, doch jetzt ist da nichts, nur mehr Erinnerung“, erklärt er das Gefühl. Seine neue Partnerin, mit der er seit zweieinhalb Jahren zusammenlebt, akzeptiert das. „Sex ist ja vielfältig“, sagt er und merkt an, dass seit Absetzen der Injektionen die Libido immerhin von 0 auf 35 Prozent gestiegen ist. „Ich bin gespannt, wie das wird, wenn ich jetzt dann wieder wie vor der Behandlung bin, wie wir uns da verstehen werden.“

Erblicher Brustkrebs beim Mann

Mit Freude in die Zukunft blicken, ohne Angst vor einem Rezidiv, kann Robert Glattau mit großer Sicherheit. Denn im Herbst 2016 hat er auch seine linke Brust entfernen lassen. Damals ließ er untersuchen, ob der Tumor erblich war. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen ähnlichen hormonabhängigen Krebs wie bei seiner Mutter handelte. Damit bestand die Gefahr, dass bösartiges Gewebe in der verbliebenen Brust wachsen könnte.

Bei diesen vier Symptomen sollte jeder Mann zum Arzt gehen

Für Robert Glattau scheint alles überstanden zu sein. Trotzdem bleibt Brustkrebs beim Mann für ihn ein Anliegen und er schloss sich der Selbsthilfegruppe an, um anderen Männern helfen zu können. Denn weil diese Krebsart mit nur etwa 600 Neudiagnose pro Jahr in Deutschland und knapp 60 in Österreich so selten ist, übersehen auch Ärzte oft die Anzeichen. „Ich rate jedem Mann dringend, sofort zum Gynäkologen zu gehen, wenn er auch nur eines dieser vier Anzeichen bemerkt“, sagt der ehemalige Krebspatient:

Keine Angst vor der Chemo

Ein weiteres großes Anliegen ist für ihn, anderen Betroffenen die Angst vor der Chemotherapie zu nehmen. „Jeder Mensch reagiert anders auf die Chemo“, sagt er und dabei komme es auch auf die persönliche Einstellung an: Die Behandlung als Chance und Lebensretter zu sehen und nicht als schlimme Chemikalie. Außerdem bekommt man bei Brustkrebs nur rund alle drei Wochen eine Chemo, deren Nebenwirkungen nach ein paar Tagen verschwinden können. Wer das bedenkt, tut sich vermutlich leichter mit der Behandlung und nimmt sein Schicksal eher an.

Mehr Infos gibt s bei Netzwerk Männer mit Brustkrebs

 

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