Impfstoff, Kosten und Nebenwirkungen: Was Sie über die Grippe-Impfung wissen müssen

Wer sollte sich gegen Grippe (Influenza) impfen lassen?

Für Impfempfehlungen in Deutschland ist die Ständige Impfkommission (Stiko) zuständig. Das Expertengremium empfiehlt die Grippe-Impfung für sogenannte Risikogruppen. Dazu zählen

Darüber hinaus sollten sich Menschen gegen die Grippe impfen lassen, die bei einer Ansteckung eine oder mehrere Personen aus den oben genannten Risikogruppen infizieren könnten – zum Beispiel, weil sie im selben Haushalt leben oder als Betreuer in einem Altenheim arbeiten. Auch für medizinisches Personal wird die Impfung grundsätzlich empfohlen – weil die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sie mit den Viren in Kontakt kommen und sich selbst anstecken.

Werden die Kosten für die Grippe-Impfung übernommen?

Ja. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für alle Versicherten, die laut Stiko geimpft werden sollten. Ähnliche Kostenübernahmeregelungen gelten auch für privat Versicherte.

Einzelne Kassen zahlen die Kosten auch für Patienten, die keiner Risikogruppe angehören. Ob die Kosten im Einzelfall übernommen werden, lässt sich bei den jeweiligen Kassen erfragen. Einige Firmen zahlen oder bieten die Impfung kostenlos für ihre Mitarbeiter an, selbst wenn diese keiner Risikogruppe angehören.

Warum sollten sich ältere Menschen gegen die Grippe impfen lassen?

Eine Grippe verläuft bei älteren Menschen häufig schwerer als bei jüngeren Erkrankten. Es drohen Komplikationen wie eine Lungenentzündung, Herzinfarkt bis hin zum Tod.

Das erhöhte Risiko schlägt sich auch in den Zahlen nieder: In der Grippe-Saison 2017/2018 starben in Deutschland 1674 Menschen an den Folgen einer Grippe. 87 Prozent der Todesfälle ereigneten sich in der Altersgruppe ab 60 Jahre (1460 Todesfälle).

Stimmt es, dass die Grippe-Impfung bei älteren Menschen weniger wirkt?

Ja, das stimmt. Die Impfung wirkt bei älteren Menschen weniger zuverlässig, da die Immunantwort in der Altersgruppe schwächer ausfällt. „Dennoch können auch ältere Menschen ihr Risiko, an einer Influenza zu erkranken, im Mittel durch die Impfung in etwa halbieren“, schreibt dazu das Robert-Koch Institut (RKI). „Zudem wurde in zahlreichen Studien gezeigt, dass eine Influenzaerkrankung bei geimpften Personen milder, also mit weniger Komplikationen verläuft als bei Ungeimpften.“

Kann ich trotz Impfung an Grippe erkranken?

Ja, durchaus. Keine Impfung bietet hundertprozentigen Schutz. Wie wirksam der Influenza-Impfstoff ist, hängt vor allem von seiner Zusammensetzung ab, die jährlich aktualisiert wird. Zwei Szenarien können die Wirksamkeit des Impfstoffes mindern:

„Auch wenn die Wirksamkeit der Influenzaimpfung nicht optimal ist, können aufgrund der Häufigkeit der Influenza doch viele Erkrankungsfälle verhindert werden“, schreibt dazu das Robert Koch-Institut. Stimmen die Virusstämme im Impfstoff dagegen weitgehend mit den zirkulierenden Viren überein, konnte bei jungen Erwachsenen eine Schutzwirkung von bis zu 80 Prozent beobachtet werden.

Kann ich durch die Impfung selbst an einer Grippe erkranken?

Nein, das ist ausgeschlossen – zumindest bei dem Totimpfstoff, der üblicherweise gespritzt wird. Er enthält keine vermehrungsfähigen Erreger und kann somit auch keine Grippe-Erkrankung auslösen.

Anders sieht das bei dem Lebendimpfstoff aus, der für Kinder und Jugendliche vorgesehen ist und in die Nase gesprüht wird. „Es besteht ein – wenn auch sehr geringes Risiko – der Übertragung von Impfviren auf stark immungeschwächte Personen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird dies mit Ihnen besprechen“, schreibt dazu die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Ich gehöre keiner Risikogruppe an. Brauche ich dann überhaupt eine Impfung?

Empfohlen wird die Grippe-Impfung nur für Risikogruppen. Das bedeutet aber nicht, dass allen anderen Personen davon abgeraten wird. Bei gesunden Kindern und Erwachsenen unter 60 Jahren verläuft eine Erkrankung jedoch meist ohne schwere Komplikationen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Impfung?

Der beste Zeitpunkt für eine Impfung sind die Herbstmonate Oktober und November. Im Anschluss dauert es etwa 10 bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist. Meist beginnt die Grippewelle in Deutschland nach Silvester. Wer die Impfung vergessen hat, kann sie theoretisch aber auch in der laufenden Grippe-Saison nachholen lassen. 

Welcher Impfstoff wird in der Grippe-Saison 2019/2020 verabreicht?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt Empfehlungen für die Zusammensetzung der jeweiligen Impfstoffe ab. Der Vierfach-Impfstoff für die kommende Saison enthält die Antigene folgender vier Influenzaviren: 

Die beiden Influenza-B-Virus-Stämme bleiben dieselben wie 2018/2019:

Der Dreifach-Impfstoff enthält die Antigene für nur einen Virus der B-Linie: der Victoria-Linie. In der Praxis ist dieser Impfstoff jedoch kaum noch relevant. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt seit Anfang 2018 Vierfach-Impfstoffe zur Impfung gegen Grippe.

Welche Nebenwirkungen können nach der Impfung auftreten?

„Der saisonale Influenza­impfstoff ist in der Regel gut verträglich“, schreibt das Robert Koch-Institut. An der Einstichstelle kann es jedoch zu lokalen Reaktionen kommen: die Haut rötet sich, schwillt an oder schmerzt leicht. 

Gelegentlich berichten Patienten nach der Impfung über Symptome wie bei einer Erkältung. Sie haben Fieber, frösteln oder schwitzen, sind müde oder klagen über Kopf- und Gliederschmerzen. „In der Regel klingen diese Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Tagen folgenlos wieder ab“, heißt es auf der RKI-Seite.

Eine Erkältung wird durch Kälte verursacht Nein. Viren lösen eine Erkältung oder Grippe aus. Aber: „Wenn der Körper schon eine beginnende Infektion bekämpft und dann stark friert, kann dies das berühmte i-Tüpfelchen sein“, sagt Martin Scherer, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Es gibt auch die These, dass die Nasen-Rachenschleimhaut bei Kälte anfälliger für Virusinfektionen ist, aber die ist wissenschaftlich nicht belegt.

Was unterscheidet eine Grippe von einem grippalen Infekt?

Eine Erkältung wird umgangssprachlich auch als „grippaler Infekt“ bezeichnet. Der „Infekt“ wiederum wird oft mit einer echten „Grippe“ verwechselt. Grippe und Erkältung sind jedoch zwei vollkommen unterschiedliche Krankheiten. 

Die echte Virusgrippe wird durch Influenzaviren ausgelöst. Die Symptome setzen meist plötzlich ein. Erkrankte klagen über ein extremes Krankheitsgefühl mit Fieber, Schüttelfrost, Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit. Die Influenza betrifft den ganzen Körper – nicht nur die Atemwege. Bei Risikogruppen kann die Grippe zu Komplikationen führen, zum Beispiel einer Lungenentzündung. Nach einer überstandenen Grippe dauert es nicht selten Wochen, um wieder voll auf die Beine zu kommen.

Die klassische Erkältung wird in der Regel durch Rhinoviren ausgelöst und kündigt sich meist über einen längeren Zeitraum an – mit Halsschmerzen, Kratzen im Hals und Heiserkeit. Später kommen Husten und eine laufende Nase dazu. Sie klingt meist folgenlos ab.

Wer darf nicht gegen Grippe geimpft werden?

Menschen mit akuten Infektionen oder fieberhaften Erkrankungen ab 38,5 Grad Celsius Körpertemperatur. Die Impfung kann zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Allergiker, insbesondere solche mit einer Allergie gegen Hühnereiweiß, sollten den behandelnden Arzt vor der Impfung über ihre Allergie in Kenntnis setzen. Auch der Lebendimpfstoff für Kinder und Jugendliche darf nicht in jedem Fall verabreicht werden – zum Beispiel bei Asthma, Immunschwäche oder unter Slicylat-Therapie.

Quellen: „Influenza Saisonbericht 2017/2018“ der Arbeitsgemeinschaft Influenza / Robert Koch-Institut (RKI) zu Grippeschutzimpfung / Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – Fragen und Antworten zur Grippeimpfung

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