"Bewegen uns in die falsche Richtung": Top-Virologe Fauci besorgt über steigende Zahlen und Impfskepsis

Noch im Frühjahr zählten die USA zu den Musterschülern beim Impfen, doch inzwischen ist die Kampagne ins Stocken geraten. Gleichzeitig steigt seit einigen Wochen die Zahl der Neuinfektionen wegen der Delta-Variante wieder an. Zwar ist schon knapp die Hälfte der Gesamtbevölkerung vollständig immunisiert, doch besonders in Bundesstaaten mit geringer Impfquote verschärft sich die Lage.

Nun hat sich der US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci erneut besorgt über das langsame Impftempo und die steigenden Zahlen geäußert. "Wir bewegen uns in die falsche Richtung", sagte er am Sonntag im Interview mit dem Fernsehsender CNN.

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Anthony Fauci warnt vor „Pandemie der Ungeimpften“

Die USA befänden sich in einer "unnötigen Misslage", führte Fauci weiter aus. Er selbst sei "sehr frustriert" über das Verhalten bestimmter Gruppen. Ein entscheidender Grund für das Erlahmen der Impfkampagne ist die erhebliche Zahl amerikanischer Impfskeptiker und -verweigerer. Umfragen zeigen, dass viele das Risiko einer Erkrankung geringer einschätzen als das der Impfung – und der Regierung schlicht nicht vertrauen.

Die Frage des Impfens ist in den USA mittlerweile zu einer politischen Frage geworden, die die Lager weiter spaltet: Einer Studie der Kaiser Family Foundation zufolge ist die Impfquote in den Bezirken, in denen bei der Präsidentenwahl viele für Joe Biden stimmten, deutlich höher als dort, wo der damalige Präsident Donald Trump viele Stimmen erhielt. Eine Umfrage der "Washington Post" und des Senders ABC News kommt zu dem Ergebnis, dass sich bisher deutlich mehr Anhänger der Demokraten als der Republikaner haben impfen lassen.

Anthony Fauci, der auch US-Präsident Biden berät, warnte vor einer "Pandemie der Ungeimpften". "Daher flehen wir die Menschen praktisch an, rauszugehen und sich impfen zu lassen", sagte Fauci.

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Impfappelle scheinen zu wirken

Am Sonntag meldeten die US-Behörden insgesamt 15.711 neue Fälle – rund 3600 mehr als noch in der Woche zuvor. In Florida ist die Situation aktuell besonders alarmierend. Etwa ein Fünftel aller Fälle in den USA wird derzeit dort verzeichnet. In einigen Krankenhäusern wird es mittlerweile wieder eng.

Landesweit bewegt sich die Zahl der Einweisungen zwar auf relativ niedrigem Niveau – aber dort, wo verhältnismäßig wenig Menschen geimpft sind, steigt sie deutlich schneller wieder an. Doch die Impfappelle der Regierung und von Gesundheitsexperten scheinen zumindest etwas zu fruchten. In den fünf Bundesstaaten mit den höchsten Fallzahlen – Arkansas, Florida, Louisiana, Missouri und Nevada – hätten sich zuletzt mehr Menschen als im nationalen Durchschnitt impfen lassen, sagte der Corona-Koordinator der Regierung, Jeff Zients

In den Vereinigten Staaten haben sich bislang etwa 34,4 Millionen Menschen mit Covid-19 infiziert, mehr als 610.800 Menschen starben. In absoluten Zahlen gemessen sind das mehr als in jedem anderen Land der Welt. Bislang haben in den USA nach Daten der Gesundheitsbehörde CDC knapp 57 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfung erhalten, rund 49 Prozent sind vollständig geimpft.

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