Chloroquin: Malaria-Medikament hemmt Coronavirus nicht – Naturheilkunde & Naturheilverfahren Fachportal

Chloroquin hilft nicht gegen SARS-CoV-2

Das Malaria-Arzneimittel Chloroquin galt als Hoffnungsträger gegen COVID-19. Es wurde zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit COVID-19 eingesetzt und in klinischen Studien untersucht. Mittlerweile raten die meisten Fachleute von dieser Behandlung ab. Eine neue Studie zeigt nun, dass Chloroquin die SARS-CoV-2-Infektion von Lungenzellen nicht blockiert.

Das Malaria-Medikament Chloroquin gehörte für viele Fachleute lange Zeit zu den vielversprechendsten Wirkstoffkandidaten bei der Suche nach einer COVID-19-Therapie. Doch schon vor Monaten berichteten Forschende in dem Fachjournal „The Lancet“, dass sich das Arzneimittel wahrscheinlich nicht zur Behandlung von COVID-19-Erkrankten eignet womöglich sogar die Todesrate erhöht. Nun gibt es neue Erkenntnisse zu dem Präparat.

Zugelassene Medikamente getestet

Bereits mehr als 600.000 Menschen weltweit sind der durch das Coronavirus SARS-CoV-2 verursachten Krankheit COVID-19 zum Opfer gefallen. Um möglichst schnell eine wirksame Therapie für COVID-19 zu erhalten, werden derzeit Arzneimittel getestet, die bereits für die Behandlung anderer Erkrankungen eingesetzt werden.

Einer aktuellen Mitteilung zufolge konnte die Abteilung Infektionsbiologie des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen zusammen mit Kolleginnen und Kollegen an der Charité in Berlin zeigen, dass das Malaria-Medikament Chloroquin, das nachweislich die SARS-CoV-2-Infektion von Nierenzellen von Grünen Meerkatzen (Affen) hemmt, nicht in der Lage ist, eine Infektion von menschlichen Lungenzellen mit dem neuartigen Coronavirus zu verhindern.

Daher wird Chloroquin die Ausbreitung des Virus in der Lunge wahrscheinlich nicht hemmen und sollte nicht für die Behandlung von COVID-19 eingesetzt werden. Die Ergebnisse der Studie, die in Kooperation mit der Charité in Berlin und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn durchgeführt wurde, sind in dem Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht worden.

Verschiedene Eintrittswege in die Wirtzellen

Wie in der Mitteilung erklärt wird, ist bekannt, dass SARS-CoV-2 in der Lage ist, verschiedene Eintrittswege in die Wirtszellen zu nutzen. Einerseits kann der Erreger nach Anlagerung an die Zellen direkt mit der Membran verschmelzen und sein Erbgut in die Wirtszelle einschleusen, andererseits kann das Virus durch Einstülpung der Wirtszellmembran und Abschnürung von Transportstrukturen, sogenannte Endosomen, ins Innere der Zellen gelangen.

In beiden Fällen wird die Anheftung des Virus an die Zellen und der nachfolgende Eintritt durch das Spike-Protein des Coronavirus vermittelt. Den Angaben zufolge muss das Spike-Protein dazu entweder durch das Enzym Cathepsin L (in Endosomen) oder durch das Enzym TMPRSS2 (an der Zelloberfläche) aktiviert werden. Je nach Zelltyp können beide Enzyme oder auch nur eines von ihnen zur Aktivierung zur Verfügung stehen.

Mittel wirkt nur Zelltyp-spezifisch

Chloroquin ist ein Arzneimittel, das zur Behandlung von Malaria eingesetzt wird. Weil das Medikament die Infektion von Affen-Nierenzellen mit SARS-CoV-2 hemmt, wurde Chloroquin als möglicher Kandidat für die Behandlung von COVID-19 in klinischen Studien getestet. Wie das Präparat die Infektion der Affen-Nierenzellen hemmt war jedoch unklar.

Die aktuelle Studie zeigt, dass Chloroquin den Virus-Eintritt in diese Zellen verhindert, vermutlich durch die Hemmung von Cathepsin L. Dies hat die Frage aufgeworfen, ob Chloroquin auch die Infektion von Lungenzellen hemmt, von denen bekannt ist, dass sie zwar TMPRSS2, aber nur wenig Cathepsin L produzieren.

Laut den Forschenden konnte gezeigt werden, dass Chloroquin den SARS-CoV-2-Eintritt in menschliche Lungenzellen und die nachfolgende Ausbreitung des Virus in diesen Zellen nicht verhindert.

„Wir konnten in dieser Studie zeigen, dass Chloroquin nur Zelltyp-spezifisch wirkt und die Infektion von Lungenzellen nicht blockiert. Das bedeutet, dass bei künftigen Testungen von potentiellen COVID-19-Medikamenten von Anfang an darauf geachtet werden sollte, dass relevante Zelllinien für die Untersuchungen eingesetzt werden, um nicht unnötig Zeit zu verlieren und möglichst schnell wirksame Therapeutika zu identifizieren“, so Stefan Pöhlmann, Leiter der Abteilung Infektionsbiologie am DPZ.

Er fügt hinzu: „Die COVID-19 Erkrankung wird in erster Linie durch die Infektion von Lungenzellen hervorgerufen, aus diesem Grund sollten diese Zellen bei Wirksamkeitstests immer Priorität haben.“ (ad)

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