Die möglichen Hintergründe des Hamburger Zyto-Skandals

Seit Tagen geistert der Hamburger Zyto-Skandal durch die Medien. Der Vorwurf lautet, dass das Hamburger Unternehmen ZytoService im Gegenzug zu Zahlungen an Onkologen lukrative Zytostatikarezepte erhalten haben soll. Anders als im Bottroper Fall, wo Patienten vermutlich auch gesundheitlich geschädigt wurden, geht die Staatsanwaltschaft nicht davon aus, dass Menschen zu Schaden gekommen sind. Den Gesamtschaden beziffert sie auf mindestens 8,6 Millionen Euro. Wie dieser Schaden für die Kassen zustande kam und wie hoch er ist, muss aber hinterfragt werden. In jedem Fall wurden offenbar Zytostatika-herstellende Apotheken geschädigt.

Deutschland hat einen neuen Zyto-Skandal. Am vergangenen Dienstag wurde eine riesige Ermittlungsaktion der Hamburger Staatsanwaltschaft bekannt. Doch die in den Medien bislang berichteten Geschäftsmodelle, die im Fokus der Ermittlungen stehen, sind teils undurchsichtig. Was weiß man also bislang über den neuen Zyto-Skandal?

Die Ermittlungen und Durchsuchungen: Am vergangenen Dienstag erfolgte laut Nana Frombach, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, „eine der größten Durchsuchungsmaßnahmen, die die Korruptionsabteilung der Staatsanwaltschaft Hamburg jemals durchgeführt hat“. 58 Durchsuchungsbeschlüsse wurden von ca. 480 Polizeibeamten und sechs Staatsanwälten vollstreckt, die Durchsuchungen betrafen 58 Objekte in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Die in annähernd 1.000 Kartons sichergestellten Unterlagen und rund 100 Datenträger (Mobiltelefone, PC, Speicherkarten etc.) werden nun ausgewertet.

Was wird wem vorgeworfen? Im Zentrum der Vorwürfe steht das 2002 gegründete Hamburger Unternehmen ZytoService, ein Platzhirsch unter den Herstellerbetrieben von Zytostatikazubereitungen. Nach Recherchen des ARD-Magazins Panorama“ und von „Zeit Online“ sollen einzelne Ärzte seit Januar 2017 neben sogenannten Kickback-Zahlungen in Höhe von mehr als 500.000 Euro auch „rückzahlungsfreie Darlehen, Nutzung luxuriöser Fahrzeuge oder anderweitige geldwerte Zuwendungen“ wie Praxiseinrichtungen erhalten haben. Im Gegenzug erhielt ZytoService über eine konzernnahe Apotheke von den Ärzten den Berichten zufolge die lukrativen Rezepte für die Zytostatikazubereitungen. Eine Anfrage der Apotheker Zeitung zu den Vorwürfen hat ZytoService bislang nicht beantwortet.

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Der „Trick“ mit den MVZ: Im großen Stil konnte ZytoService dieses Geschäft mutmaßlich betreiben, indem die Firma mit dem Geld internationaler Investmentfonds in ganz Deutschland offenbar Onkologen ihre Praxen abkaufte und daraus Medizinische Versorgungszentren (MVZ) machte. Da Apotheker oder pharmazeutische Herstellbetriebe eigentlich keine MVZ betreiben dürfen, nutzte ZytoService ein Schlupfloch im Gesetz. Denn Krankenhäuser dürfen MVZ betreiben, und so erwarb ZytoService die finanziell klamme SKH Stadtteilklinik in Mümmelmannsberg im Osten von Hamburg.

Dort soll dann begonnen haben, was „Zeit Online“ als „Revolution des Onkologiemarkts“ bezeichnet: Die kleine Hamburger Klinik gründete den Recherchen zufolge in ganz Deutschland insgesamt 15 MVZ. Dazu sollen Onkologen ihre Praxen an eine MVZ GmbH übertragen haben, die zum Konzerngeflecht um ZytoService gehört, und arbeiteten als Angestellte weiter. Bedingung für die Übernahme soll gewesen sein, dass die Ärzte ihre Medikamentenbestellungen an den Konzern geben. Im Gegenzug sollen sie neben einem guten Kaufpreis noch weitere Vergünstigungen – siehe oben – erhalten haben. Abgewickelt wurden die Rezepte laut „Zeit Online“ über die Hamburger Antares-Apotheke, die sie direkt an ZytoService weiterleitete.

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