Ernährung: Machen bestimmte Lebensmittel süchtig? – Heilpraxis

Unkontrolliertes Essverhalten durch bestimmte Lebensmittel?

Manche Lebensmittel scheinen geradezu süchtig zu machen. Insbesondere verarbeitete Lebensmittel regen zu einen unkontrollierten Konsum an, was den Blutzucker erhöht und das Gehirn dazu bringt, immer mehr dieser Nahrungsmittel zu verlangen. Können Lebensmittel wirklich süchtig machen und wie ist es möglich, Menschen vor einem unkontrollierten Essverhalten durch solche Lebensmittel zu schützen?

Es hat nichts mit Gefräßigkeit oder Willensschwäche zu tun, wenn Menschen nicht aufhören können, bestimmte Lebensmittel zu konsumieren. Vielmehr hat der Körper von betroffenen Personen eine wahre Sucht nach solchen Nahrungsmitteln entwickelt, erklärt die Psychologin Dr. Susan Albers von der Cleveland Clinic (USA).

Gewichtsprobleme durch unkontrolliertes Essen

Wenn solche Lebensmittel weitreichend verfügbar für betroffene Personen sind, kann das zwanghafte Essen zur Gewohnheit werden, wodurch Menschen Gewichtsprobleme und Krankheiten entwickeln können, erläutert die Expertin. Welche Möglichkeiten gibt es, um diesen süchtig machenden Kreislauf der Nahrungsaufnahme zu durchbrechen?

Können Menschen wirklich süchtig nach Essen werden?

Zuallererst sollte laut Dr. Albers geklärt werden, ob es wirklich möglich ist, dass Menschen süchtig nach Essen werden. Die Antwort auf diese Frage ist nicht einfach. Esssucht ist keine offizielle medizinische Diagnose, obwohl suchtartiges Essen mit Krankheiten wie Fettleibigkeit und Binge-Eating-Störung in Verbindung gebracht wird. Ob Essen selbst süchtig macht, ist laut der Aussage der Expertin immer noch umstritten.

Auch in der Fachwelt seien viele davon überzeugt, „dass man von einer Substanz, die man zum Überleben braucht, nicht abhängig werden kann und Essen selbst nicht wirklich süchtig macht”, erklärt Dr. Albers in einer Pressemitteilung der Cleveland Clinic. Denn Nahrung kann den Bewusstseinszustand nicht verändern, wie es beispielsweise bei Suchtmitteln der Fall ist, fügt die Medizinerin hinzu.

Andere Menschen haben trotzdem das Gefühl, dass sie regelrecht abhängig von bestimmten Lebensmitteln sind. Es ist dabei aber nicht eine einzelne Zutat, die als süchtig machend bezeichnet werden kann. Für manche Personen sind süchtig machenden Nahrungsmittel beispielsweise fettiges Fast Food, für andere Menschen sind es Süßigkeiten. Aber auch Menschen, die regelrecht süchtig nach Süßigkeiten sind, würden sicherlich keine ganze Schüssel Zucker pur zu sich nehmen, betont die Expertin.

Sind verarbeitete Lebensmittel das Problem?

Es scheinen also verarbeitete Lebensmittel mit einer bestimmten Kombination von Inhaltsstoffen zu sein, die nach Aussage der Medizinerin für Menschen zu einem problematischen Essverhalten führen.

Positive Gefühlserlebnisse durch Essen

Andere Forschende argumentieren jedoch, dass Essen tatsächlich süchtig machen könne. Bestimmte Lebensmittel regen die Genusszentren im Gehirn an und lösen die Ausschüttung von Stoffen für positive Gefühlserlebnisse (Belohnungseffekt) wie Dopamin aus. Bei Menschen, die eher zur Sucht neigen, könnten diese Stoffe andere Signale des Gehirns überschatten, welche vermitteln sollen, dass sie satt oder zufrieden sind und die könne einen Kreislauf der Überessens auslösen.

Hilflosigkeit bei Sucht nach Nahrungsmitteln

Mit der Zeit können solche Menschen dann eine Toleranz gegenüber den Nahrungsmitteln entwickeln, nach denen sie süchtig sind, so Dr. Albers. Sie müssen mehr und mehr davon zu sich nehmen, um das gleiche Maß an Vergnügen zu empfinden. Und obwohl sie die negativen Folgen ihres übermäßigen Essens erkennen und damit aufhören wollen, scheint nichts, was sie versuchen, zu funktionieren, fügt die Expertin hinzu.

„Viele der Worte, die Menschen benutzen, um zu beschreiben, wie sie sich beim Essen fühlen, haben mit Sucht zu tun, wie beispielsweise Heißhunger, Entzug und das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren”, erklärt Dr. Albers weiter.

Essen als Prozessabhängigkeit?

Eine andere Art und Weise, wie manche Menschen dieses Phänomen beschreiben, ist, dass es sich eher um eine Prozessabhängigkeit als um eine echte Sucht nach Nahrung handelt. Die Betroffenen werden also quasi abhängig von dem ablaufenden Prozess, welcher mit positiven, beruhigenden Gefühlen und dem Vergnügen verbunden ist, welches mit dem Essen einhergeht, und nicht etwa vom Essen selbst, berichtet die Medizinern.

Zu diesem Thema ist noch weitere Forschung nötig, aber klar ist, dass die Sucht nach bestimmtem Essen für viele Menschen Realität ist, was deren Gesundheit, deren Selbstwertgefühl und deren Lebensqualität auf viele negative Arten beeinträchtigen kann, betont die Expertin.

Sucht nach Kohlenhydraten und Fett

Die Lebensmittel, welche Menschen am ehesten dazu veranlassen, zwanghaft zu viel zu essen, haben in der Regel etwas gemeinsam: Eine starke Kombination aus Kohlenhydraten und Fett. Es können nicht viele Beispiele für diese unwiderstehliche Kombination in der Natur gefunden werden. Reis enthält beispielsweise viele Kohlenhydrate, dafür aber wenig Fett, während Nüsse viel Fett, aber nur wenige Kohlenhydrate enthalten, erläutert Dr. Albers.

Probleme bei verarbeiteten Lebensmitteln

Die Hersteller von verarbeiteten Lebensmitteln können aber verschiedene Zutaten mischen und Aromen chemisch stark aufwerten, um so Geschmackserlebnisse zu schaffen, die so verlockend sind, dass man immer wieder nach mehr verlangt, betont Dr. Albers.

In einer Studie, bei der Menschen dazu befragt wurden, von welchen Lebensmitteln sie am ehesten zu viel essen würden, waren laut der Expertin einige der häufigsten Antworten:

  • Schokolade,
  • Eiscreme,
  • Pommes frites,
  • Pizza,
  • Kekse,
  • Chips,
  • Torte,
  • und Cheeseburger.

Fettleibigkeit und Diabetes dank Essenssucht

Die Sucht nach bestimmtne Nahrungsmitteln kann zu Gesundheitsproblemen beitragen, die mit einer ungesunden Ernährung einhergehen, wie beispielsweise Fettleibigkeit, Diabetes und Herzerkrankungen. Doch natürlich sind nicht alle Menschen übergewichtig, welche mit einem solchen Verhalten zu kämpfen haben und auch Personen mit einem gesunden Gewicht können in süchtiges Essverhalten verfallen, so Dr. Albers

Essenssucht beeinträchtigt Lebensqualität

Manchmal können diese Verhaltensweisen wiederum andere ungesunde Muster auslösen, wie beispielsweise sogenannte Crash-Diäten oder übermäßigen Sport, um die zusätzlich aufgenommenen Kalorien wieder zu verbrennen. „Es beeinträchtigt auch die Lebensqualität der Betroffenen, weil sie sich schuldig fühlen oder schämen”, erläutert Dr. Albers.

Wie kann man sich vor Essenssucht schützen?

Menschen sollten nach Ansicht der Expertin auf bestimmte beunruhigende Verhaltensmuster achten, um sich vor der Sucht nach bestimmten Lebensmitteln zu schützen:

  • Konstantes Essen über den Punkt hinaus, an dem man satt ist;
  • heimliches oder verstecktes Essverhalten;
  • das Gefühl, bei bestimmten Nahrungsmitteln die Kontrolle zu verlieren;
  • tägliches Nachdenken oder Stress im Bezug auf Essen;
  • kein Interesse an Aktivitäten, welche einst angenehm waren;
  • umständliche Beschaffung von bestimmten Nahrungsmitteln, wenn diese nicht leicht verfügbar sind;
  • Essen anstatt sozialen Kontakt zu haben oder bestimmte berufliche Aufgaben zu erfüllen,
  • die genannten Verhaltensweisen werden trotz ihrer negativen Konsequenzen fortgesetzt.

Schützt Willenskraft vor Esssucht?

Willenskraft allein ist selten ein ausreichender Schutz gegen Esssucht und den Teufelskreis aus Heißhunger, übermäßigem Genuss und Schuldgefühlen, der dadurch entsteht. Tatsächlich kann der Versuch, das Verlangen zu bekämpfen, es sogar noch verstärken, erklärt die Expertin.

Betroffene sollten sich Hilfe suchen

Dr. Albers empfiehlt in solchen Fällen die Zusammenarbeit mit Psychologinnen bzw. Psychologen, um sowohl die körperlichen Symptome als auch die zugrundeliegenden emotionalen Faktoren zu behandeln, die möglicherweise zur Esssucht beitragen. Eventuell können auch Selbsthilfegruppen betroffenen Personen helfen.

Es ist wichtig herauszufinden, was das süchtig machende Verhalten auslöst. Bei manchen Menschen sind es beispielsweise Stress oder Verzweiflung. „Wenn Sie Ihre Auslöser für übermäßiges Essen kennen und diesen Kreislauf durchbrechen können, kann das wichtig sein, denn wir können nicht immer kontrollieren, ob diese süchtig machenden Lebensmittel in unserer Nähe sind”, erläutert Dr. Albers.

Techniken zur Stressbewältigung können helfen

Achtsamkeit und andere Techniken zur Stressbewältigung können ebenfalls dazu beitragen, den Kreislauf des übermäßigen Essens zu durchbrechen. Je mehr Menschen sich der Kräfte bewusst sind, die bei ihren auftretenden Gelüsten eine Rolle spielen, und welche Strategien ihnen helfen können, diese zu bekämpfen, desto besser sind die Chancen, sich von diesen zu befreien, fügt die Expertin hinzu. (as)

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