Für Patienten bleibt meist zu wenig Zeit – Beispiel einer Palliativstation, die es anders macht

Havva Özkan arbeitet auf der Palliativstation des St. Josef-Hospitals in Troisdorf und wurde als Pflegerin des Jahres ausgezeichnet. Wenn man Havva Özkan bei der Arbeit begleitet, fragt man sich, warum Menschen erst im Sterben liegen müssen, bevor sie hier­zulande eine angemessene Pflege bekommen. Die 34-Jährige und ihre Kolleginnen kümmern sich auf der Palliativstation des St. Josef-Hospitals in Troisdorf um zehn Patienten, sie sind in jeder Schicht stets mindestens zu zweit. „Im Vergleich zu normalen Klinikstationen sind wir gut besetzt“, sagt sie. „Das macht vieles leichter.“ Das St. Josef-Hospital versucht, den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin für eine Personalausstattung nachzukommen.

„Pflegerin des Jahres“

Zum Vergleich: Im Schnitt versorgen in Deutschland zwei Pflegefachkräfte 25 Patienten. „Der Personalnotstand ist katastrophal“, sagt Özkan.

Trotz der besseren Bedingungen – weniger zu tun hat Özkan nicht. „Aber ich habe Zeit, ich kann den Menschen gerecht werden.“ Das heißt: Wunden versorgen, Schmerzen lindern, auf Atemnot reagieren. In einer speziellen Weiterbildung hat sie gelernt, die Selbstbestimmung von Schwerstkranken und sterbenden Menschen zu fördern, ihre Lebensqualität zu verbessern, Angehörige zu begleiten und letzte Wünsche zu erfüllen.

Sie weiß, wie wertvoll Gespräche für Schwerkranke sind. Sie kennt die Geschichten ihrer Patienten, die Sehnsüchte, Sorgen und Ängste. „Viele ­wünschen sich einfach jemanden, der ihnen zuhört und sie ernst nimmt“, sagt sie. Dann zieht sie einen Stuhl heran oder setzt sich auf die Bettkante. Sie streichelt den Patienten über den Rücken, hält ihre ­ Hände, schaut ihnen in die Augen und fragt, wie es ihnen geht.

Havva Özkan macht ihren Job so gut, dass sie 2018 zur „Pflegerin des Jahres“ gekürt wurde.

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