Impfstoffkandidat von Janssen könnte schon nach einer Dosis vor Corona schützen

Deutschland tut sich mit der Impfstoffverteilung schwer. Dass es nur schleppend vorangeht, liegt vor allem daran, dass zu wenig Impfdosen bereitstehen. Dazu kommt, dass die zurzeit in der EU zugelassenen Impfstoffe zweimal verabreicht werden müssen. Erst mit der zweiten Spritze ist der ausreichende Schutz gegen das Virus gewährleistet. Der Impfstoff-Kandidat des Herstellers Janssen, der zum US-Konzern Johnson & Johnson gehört, könnte den Prozess in absehbarer Zeit verkürzen. Ergebnisse aus Studienphase 1 und 2 deuten darauf hin, dass der Impfstoff Ad26.COV2.S bereits nach einer verabreichten Dosis immun gegen Covid-19 macht. Bestätigt sich das in Phase 3 der klinischen Studien, könnte das Vakzin das erste werden, dass zur Einmalgabe zugelassen wird.

Für eine Zulassung müssen die Impfstoff-Kandidaten drei klinische Studienphasen durchlaufen. Erst wenn das Medikament Phase drei erfolgreich abgeschlossen hat, die Wirksamkeit in einer repräsentativen Patientengruppe erwiesen und auch die optimale Dosis gefunden ist, kann eine Zulassung beantragt werden. Diesen Prozess haben in Deutschland bislang zwei Impfstoffe erfolgreich absolviert. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer und der des Herstellers Moderna. Als drittes Unternehmen hat AstraZeneca für seinen Impfstoff in dieser Woche eine Zulassung für die EU beantragt.

Biontech-Pfizer-Impfstoff


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Starke Immunantwort

Der Impfstoffkandidat von Janssen hat bislang erst zwei von drei Studienphasen durchlaufen. Dafür hatte der Hersteller zunächst 402 Probanden geimpft. Diese waren im Schnitt 35,4 Jahre alt. Sie bekamen den Impfstoff ein oder zweimal verabreicht. Verimpft wurden dabei sowohl niedrige als auch höhere Dosen sowie ein Placebo. In einem zweiten Schritt wurden noch einmal 403 ältere Probanden geimpft. Sie waren im Schnitt 69,8 Jahre alt.

Die Ergebnisse, die nun im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurden, scheinen vielversprechend. Demnach löste der Impfstoff bereits nach der ersten Dosis eine starke Immunantwort aus. Bei 90 Prozent der Probanden kam es zur Bildung von neutralisierenden Antikörpern. Darüber hinaus stiegen die Antikörpertiter während der 71-tägigen Nachbeobachtungszeit weiter an und stabilisierten sich. Nach Aussagen der Forscher lasse das darauf schließen, dass die ausgelöste Immunantwort dauerhaft ist. Impfstoffdosis oder Alter der Probanden hatten keinen Einfluss auf die Resultate. Die Zwischenanalyse zeige, so schreiben die Forscher, "dass der Impfstoffkandidat Ad26.COV2.S sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Erwachsenen sicher und immunogen ist". Ob eine zweite Impfdosis notwendig ist oder ob die Einmalgabe eventuell ausreicht, wird derzeit in in zwei Phase-3-Studien geprüft. Die Ergebnisse sollen in einigen Wochen vorliegen. 

 

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Häufigste Nebenwirkung: Fieber

Die bereits veröffentlichten Ergebnisse geben auch Hinweise hinsichtlich der Verträglichkeit. Am häufigsten klagten die Probanden nach der Impfung über Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Schmerzen an der Injektionsstelle. Die häufigste Nebenwirkung war Fieber. Ein Patient musste wegen hohen Fiebers im Krankenhaus behandelt werden. Die Reaktionen werden insgesamt als unproblematisch eingestuft.

Bei Ad26.COV2.S handelt es sich um einen Vektor-Impfstoff. Impfstoffe dieser Art enthalten Erreger, die für den Menschen harmlos sind und eines oder mehrere Moleküle des Krankheitserregers als Antigene tragen. Im Fall des Vakzins von Janssen wird der Serotyp 26 verwendet. Dieser wird auch bei Ebola-Impfstoffen verwendet. Auch das AstraZeneca-Vakzin ist ein Vektor-Impfstoff.

Läuft alles optimal, könnte der Impfstoff laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters schon im April in der EU verfügbar sein. Nicht nur die Möglichkeit der Einmalgabe macht den Impfstoff attraktiv. Laut Hersteller könne der Impfstoff ganz schnöde im Kühlschrank gelagert werden und halte sich dort über Monate. Die aktuell schon verfügbaren Impfstoffe sind anfälliger. Das Vakzin von Biontech/Pfizer muss bei minus 70 Grad, das von Moderna bei minus 20 Grad gelagert werden. Dazu kommt, dass der Vektor-Impfstoff aus dem Hause Janssen voraussichtlich günstiger sein wird. Die Rede ist von etwa sieben Euro pro Dosis. Biontech/Pfizer verlangt 12 Euro pro Dosis, Moderna knapp 15 Euro.
 

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