Impfungen in deutschen Apotheken führen zu sehr hoher Patientenzufriedenheit

Deutsche Apotheken dürfen seit dem 8. Februar gegen COVID-19 impfen. Direkt mit dem Startschuss begleitete eine wissenschaftliche Studie unter Federführung von Apotheker Dr. Olaf Rose, Münster, die ersten Impfungen. Die Ergebnisse wurden nun im renommierten Journal „Vaccine“ veröffentlicht. Es handelt sich dabei um die erste Publikation zu Impfungen in deutschen Apotheken in einem Journal mit Peer-Review.

Nachdem die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) die Impfungen in Apotheken mit Hinweis auf fehlende Evaluationen und Studien ablehnte und es mehrfach harsche Kritik der Ärzteschaft an der mangelnden Qualifikation der Apotheker gab, wurden die Ergebnisse der Studie von Rose et al. mit großer Spannung erwartet. 

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Ausgewertet wurden 427 Fragebögen von Menschen, die sich in einer von elf teilnehmenden Apotheken impfen ließen. Auch die impfenden Apotheker wurden befragt. Deren Apotheken befanden sich sowohl im ländlichen als auch im urbanen Umfeld. Impfungen erfolgten in allen Apotheken nach Terminvereinbarung. Die Impfwilligen konnten allen Altersklassen zwischen 12 und über 80 Jahren zugeordnet werden. Es gab nur wenige Erstimpfungen (1,2 Prozent), häufig wurde die erste oder die zweite Auffrischimpfung durchgeführt. 

Gefragt wurde nach dem Gesamteindruck der Impfung, nach der Wahrnehmung der Terminvereinbarung, der Wartezeit, der Professionalität und einem Gefühl von Sicherheit während der Impfung. Auch die Aufklärung und Bereitstellung von Informationen, die Hygiene und die Impftechnik konnten bewertet werden. 

Für sämtliche Aspekte wurden von den Teilnehmern Bestnoten verteilt; jeweils deutlich über 90 Prozent waren sehr zufrieden mit der Impfung, der Rest überwiegend zufrieden. Interessant waren auch die Angaben zur Motivation: nur 4,5 Prozent der Teilnehmer ließ sich aus beruflichen Gründen impfen, Eigenschutz und der Schutz anderer waren die häufigsten Gründe. Die einfache Verfügbarkeit der Impfung in der Apotheke wurde als ein Grund für die Wahl der Impfstelle herausgestellt (62 Prozent Zustimmung), ebenso die schnelle Terminvergabe (32 Prozent). Sämtliche Ergebnisse fielen einheitlich positiv zwischen den Apotheken aus, was dafür spricht, dass sie weitgehend in die Breite übertragbar sind.

Die Apotheker gaben allerdings an, dass es ihnen durchaus Schwierigkeiten bereitete, ein Impf-Team zusammenzustellen. Personalengpässe, Überstunden und räumliche Probleme wurden häufig als Barrieren empfunden. Entsprechend wurde vorwiegend zu ruhigen Arbeitszeiten oder außerhalb der regulären Öffnungszeiten und an Wochenenden geimpft. 

Alle Apotheker gaben an, dass sie auch weiterhin impfen werden, weil man es für wichtig und richtig erachte. Wegen des hohen Personaleinsatzes und der Vorgabe, dass die meisten Tätigkeiten nur von Approbierten durchgeführt werden durften, wurde die staatliche Vergütung teilweise als zu gering bemängelt. Benachbarte Ärzte waren für die Entlastung durch Apotheken überwiegend dankbar oder standen ihr neutral gegenüber. Zur einfacheren Impfung wünscht man sich in Zukunft vorgefertigte Spritzen in Einzeldosen. Impfvorfälle, wie allergische Reaktionen oder Ohnmacht, wurden nicht beschrieben. 

Die deutschen Ergebnisse sind damit ähnlich positiv wie jene vergleichbarer ausländischer Studien. Kritik an den Impfkompetenzen deutscher Apotheken scheint nach dieser Studie gänzlich unberechtigt. Offensichtlich klappt auch die Abstimmung zwischen den Professionen vor Ort wesentlich reibungsloser als oft suggeriert.

Quellen

Rose O, Erzkamp S, Schöbel W, Grajeda M, Köberlein-Neu J. COVID-19 vaccinations in German pharmacies: A survey on patient and provider satisfaction. Vaccine. 2022 Jul 28:S0264-410X(22)00925-2. doi: 10.1016/j.vaccine.2022.07.034. Epub ahead of print. PMID: 35918204.

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