Long-COVID: Lungenschäden bei Betroffenen bleiben vier Monate und länger – Heilpraxis

Häufige Lungenschäden nach schweren COVID-19-Verläufen

Schweizer Medizinerinnen und Mediziner veröffentlichten Langzeitdaten von COVID-19-Betroffenen mit mittelschweren bis schweren Krankheitsverläufen, die zeigen, dass die Patientinnen und Patienten auch vier Monate nach der akuten Phase der Krankheit noch Lungenschäden aufweisen.

Forschende des Universitätsspital Bern und der Universität Bern zeigten anhand von Nachbeobachtungsdaten, dass schwere Covid-19-Erkrankungen auch nach vier Monaten noch anhaltende Beeinträchtigungen der Sauerstoffaufnahme der Lunge zur Folge haben können. Die Sauerstoffaufnahme der Lunge war vier Monate nach der Infektion bei schwer Erkrankten im Durchschnitt um einen Fünftel gegenüber dem erwarteten Wert einer gesunden Person gesenkt. Die Ergebnisse werden im „European Respiratory Journal“ vorgestellt.

Langzeitbeschwerden in der Lunge nach schwerem COVID-19

Bereits im Sommer 2020 gab es die ersten Hinweise darauf, dass es nach einer COVID-19-Erkrankung zu anhaltenden Symptomen und möglicherweise zu bleibenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen kann. Die Schweizer Arbeitsgruppe legte nun belastbare Daten aus der Nachbeobachtung von Betroffenen mit mittelschweren bis schweren COVID-19-Verläufen vor, die diese Annahme untermauern. Insbesondere in der Lunge kommt es nach schweren Verläufen häufig zu andauernden Beschwerden.

Was wurde untersucht?

In der Studie wurden Daten von 113 Patientinnen und Patienten ausgewertet, die in der Schweiz wegen COVID-19 in einem Krankenhaus behandelt wurden. 66 Personen litten unter schweren bis kritischen Krankheitsverläufen. 47 Teilnehmende wiesen milde bis mittelschwere Verläufe auf. In der viermonatigen Nachbeobachtung wurden Daten zur Lungenfunktion, Atemmuskelkraft und zur Kohlenmonoxid-Diffusionskapazität (DLCO) erhoben. Zudem mussten die Teilnehmenden einen Gehtest absolvieren und es wurde eine CT-Aufnahme der Lunge gemacht.

Die Beobachtungsstudie hat zum Ziel, Langzeitfolgen von COVID-19 in der Lunge anhand von klinischen Daten zu dokumentieren. Dies sei eine wichtige Grundlage für die klinische Nachbetreuung von COVID-19-Betroffenen.

Verminderte Sauerstoffaufnahme nach schwerem COVID-19

Die Forschenden zeigten deutlich, dass besonders bei schweren und kritischen Verläufen auch vier Monate nach der Erkrankung noch deutliche funktionelle Beeinträchtigung der Lunge vorliegen. Der DLCO-Wert bei Teilnehmenden mit schweren COVID-19-Verläufen betrug vier Monate nach der Infektion im Durchschnitt nur 76 Prozent. Das ist dem Forschungsteam zufolge rund ein Fünftel weniger, als der zu erwartende Wert bei gesunden Personen.

Lungenschäden auf CT-Aufnahmen sichtbar

Darüber hinaus weisen auch die CT-Aufnahmen der Lungen auf Langzeitschäden hin. Laut der Arbeitsgruppe zeigen die Aufnahmen Schädigungen des Lungengewebes, die auf Folgen der schweren Pneumonie zurückgeführt werden können. Außerdem deuten die CT-Bilder auf eine mögliche Beteiligung der kleinen Atemwege hin. „Obwohl die Darstellung der initialen Covid-19-Pneumonie im bildgebenden Verfahren relativ charakteristisch ist, sind die mittel- und langfristigen radiologischen Manifestationen derzeit noch nicht ausreichend verstanden“, betont Professor Lukas Ebner aus dem Studienteam. Das Team will die Langzeitschäden von COVID-19 nun genauer in einem ganzheitlichen Ansatz untersuchen

Geballte Forschungskraft Schweizer Institutionen

Die sogenannte „Swiss national Covid-19 lung study“ ist in mehrfacher Hinsicht ein aussergewöhnliches Forschungsprojekt. „Unsere Studie hat in kürzester Zeit eine schweizweite Datenerhebung der Lungenfunktion von Patienten nach COVID-19 ermöglicht“, erläutert Manuela Funke-Chambour, die Initiatorin der Studie. Die Daten und die daraus abgeleiteten Erkenntnisse seien wichtig, um Fragen zu COVID-19-Langzeitfolgen für die Lunge beantworten zu können. Nur so könnten zukünftig Patientinnen und Patienten optimal unterstützt und behandelt werden. (vb)

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