Schon 125 Kreise reißen die 100er-Inzidenz – und die Zahlen steigen stetig weiter

Nach monatelangen coronabedingten Schließungen dürfen seit Anfang des Monats Einrichtungen wie Schulen, Friseursalons und der Einzelhandel wieder öffnen. Doch immer mehr Kreise überschreiten seitdem die 100er-Inzidenz- und sollten eigentlich wieder die Notbremse ziehen.

Seit Anfang März wird das öffentliche Leben in Deutschland in kleinen Schritten wieder hochgefahren. Je nach Corona-Lage dürfen in den einzelnen Ländern und Regionen unter anderem der Einzelhandel, Friseursalons und Schulen öffnen. Auch Museen, Zoos und Galerien können wieder Besucher empfangen.

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Weitere Öffnungen, zum Beispiel der Gastronomie oder der Theater, sind frühestens ab dem 22. März möglich – unter der Voraussetzung, dass die Sieben-Tage-Inzidenz unter 100, besser noch unter 50 bleibt.

Corona-Krise in Deutschland: 125 Kreise überschreiten die 100er-Inzidenz

Doch aktuell rücken weitere Lockerungen für einige Landkreise und Städte wieder in ungreifbare Ferne. Der entscheidende Schwellenwert von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche wurde mittlerweile in 125 Kreisen überschritten – das sind 7 mehr als am Anfang der Woche. Die bundesweite Inzidenz stieg auf 86,2.

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Bund und Länder hatten beschlossen, dass die jüngsten Lockerungen zurückgenommen werden, wenn der Wert neuer Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche über 100 steigt. Viele Landräte und Bürgermeister sehen sich folglich gezwungen, die Notbremse zu ziehen – und Einzelhandel sowie Kultureinrichtungen wieder zu schließen.

Nicht alle Ländern wollen die Notbremse sofort ziehen

Einige Länder scheren dabei aber aus: In der Corona-Verordnung von Brandenburg heißt es lediglich, dass die Kreise und kreisfreien Städte weitergehende Schutzmaßnahmen bei einem Anstieg der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche über 100 treffen sollen, erst ab 200 sollen die jüngsten Lockerungen zurückgenommen werden. Das brachte die Regierung von Ministerpräsident Dietmar Woidke in die Kritik (SPD).

Auch in Nordrhein-Westfalen soll die vereinbarte "Corona-Notbremse" nicht automatisch greifen. Bei Überschreitung einer landesweiten Inzidenz von 100 sollen die Behörden dort erst prüfen, welche Umstände dazu geführt hätten, berichtet die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung". "Wenn alleine durch die vielen zusätzlichen Testungen bei einem ansonsten stabilen Infektionsgeschehen die Zahlen steigen, muss man das bei den weiteren Bewertungen mit einbeziehen", sagte ein Sprecher von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) der Zeitung.

In Baden-Württemberg hat die Landesregierung eine weitere Freiheit gegeben: "Bei der Bewertung der Inzidenzwerte kann das Gesundheitsamt die Diffusität des Infektionsgeschehens angemessen berücksichtigen", heißt es in der jüngsten Corona-Verordnung des Landes. Mit anderen Worten: Die Gesundheitsämter in Baden-Württemberg müssen nicht mehr jeden Corona-Fall einzeln zählen. So hatte der Landkreis Calw vorigen Montag eine Inzidenz von 55 und musste Geschäfte geschlossen halten. Nach einer "Bereinigung der Infektionszahlen" lag die Inzidenz am Dienstag nur noch bei 39 – und der Landrat ließ die Geschäfte öffnen.

Welche Regionen den entscheidenden Inzidenzwert von 100 gerissen haben, hat FOCUS Online mit Hilfe der Daten des Robert-Koch-Instituts für Sie zusammengetragen.

Baden-Württemberg (12)

  • LK Alb-Donau-Kreis 118,7
  • LK Emmendingen 102,8
  • LK Esslingen 112,0
  • LK Göppingen 101,9
  • LK Hohenlohekreis 109,2
  • LK Konstanz 105,8
  • LK Rastatt 142,6
  • LK Schwäbisch Hall 252,6
  • LK Sigmaringen 107,8
  • LK Tuttlingen 103,0
  • SK Karlsruhe 103,8
  • SK Mannheim 114,6

Bayern (35)

  • LK Amberg-Sulzbach 150,4
  • LK Bayreuth 132,2
  • LK Berchtesgadener Land 106,7
  • LK Cham 232,0
  • LK Deggendorf 106,3
  • LK Dingolfing-Landau 115,8
  • LK Freyung-Grafenau 136,5
  • LK Fürth 120,5
  • LK Hof 136,1
  • LK Kelheim 102,4
  • LK Kronach 232,2
  • LK Kulmbach 311,6
  • LK Landshut 117,0
  • LK Main-Spessart 118,3
  • LK Mühldorf a.Inn 106,2
  • LK Neustadt a.d.Waldnaab 133,4
  • LK Ostallgäu 130,3
  • LK Passau 117,3
  • LK Schwandorf 202,9
  • LK Straubing-Bogen 128,6
  • LK Tirschenreuth 202,6
  • LK Traunstein 142,7
  • LK Unterallgäu 123,8
  • LK Wunsiedel i. Fichtelgebirge 223,0
  • SK Amberg 191,9
  • SK Fürth 150,2
  • SK Hof 268,4
  • SK Landshut 144,4
  • SK Nürnberg 134,3
  • SK Passau 142,0
  • SK Regensburg 169,2
  • SK Rosenheim 217,1
  • SK Schweinfurt 108,6
  • SK Straubing 100,4
  • SK Weiden i.d.OPf. 138,0

Berlin (4)

  • SK Berlin Mitte 104,7
  • SK Berlin Reinickendorf 103,2
  • SK Berlin Spandau 100,4
  • SK Berlin Tempelhof-Schöneberg 100,7

Brandenburg (5)

  • LK Elbe-Elster 198,4
  • LK Oberhavel 132,4
  • LK Oberspreewald-Lausitz 158,2
  • LK Oder-Spree 105,7
  • SK Cottbus 108,3

Bremen (1)

  • SK Bremerhaven 109,1

Hamburg (0)

Hessen (9)

  • LK Fulda 121,0
  • LK Gießen 107,5
  • LK Groß-Gerau 118,2
  • LK Lahn-Dill-Kreis 148,0
  • LK Main-Kinzig-Kreis 120,1
  • LK Marburg-Biedenkopf 107,3
  • LK Offenbach 129,8
  • SK Frankfurt am Main 105,8
  • SK Offenbach 167,3

Mecklenburg-Vorpommern (0)

Niedersachsen (9)

  • LK Celle 106,1
  • LK Cloppenburg 155,8
  • LK Grafschaft Bentheim 104,3
  • LK Peine 143,2
  • LK Vechta 128,1
  • LK Wesermarsch 105,0
  • Region Hannover 112,6
  • SK Osnabrück 125,3
  • SK Salzgitter 179,3

Nordrhein-Westfalen (14)

  • LK Borken 104,5
  • LK Düren 131,5
  • LK Herford 110,9
  • LK Kleve 118,7
  • LK Märkischer Kreis 158,5
  • LK Minden-Lübbecke 115,0
  • LK Oberbergischer Kreis 121,7
  • LK Siegen-Wittgenstein 108,3
  • SK Duisburg 122,1
  • SK Herne 158,5
  • SK Köln 104,1
  • SK Remscheid 114,1
  • SK Solingen 109,3
  • SK Wuppertal 123,6

Rheinland-Pfalz (6)

  • LK Ahrweiler 106,1
  • LK Altenkirchen 130,4
  • LK Germersheim 104,6
  • LK Südwestpfalz 101,2
  • SK Frankenthal 176,4
  • SK Pirmasens 151,6

Saarland (0)

Sachsen (6)

  • LK Erzgebirgskreis 139,7
  • LK Meißen 120,0
  • LK Nordsachsen 149,2
  • LK Vogtlandkreis 342,9
  • LK Zwickau 147,3
  • SK Chemnitz 106,4

Sachsen-Anhalt (7)

  • LK Börde 104,1
  • LK Burgenlandkreis 173,3
  • LK Harz 122,8
  • LK Jerichower Land 118,3
  • LK Saalekreis 108,3
  • LK Wittenberg 103,2
  • SK Halle (Saale) 163,8

Schleswig-Holstein (0)

Thüringen (17)

  • LK Altenburger Land 201,4
  • LK Eichsfeld 107,0
  • LK Gotha 187,5
  • LK Greiz 525,7
  • LK Hildburghausen 118,7
  • LK Ilm-Kreis 212,7
  • LK Kyffhäuserkreis 168,4
  • LK Saale-Holzland-Kreis 142,3
  • LK Saale-Orla-Kreis 265,2
  • LK Saalfeld-Rudolfstadt 114,3
  • LK Schmalkalden-Meiningen 311,4
  • LK Sömmerda 184,4
  • LK Unstrut-Hainich-Kreis 150,6
  • LK Wartburgkreis 261,4
  • SK Eisenach 168,0
  • SK Gera 186,8
  • SK Suhl 233,8

Drei Kreise über 300, einer über 500

An der Spitze liegen mit Greiz (Thüringen), der Vogtlandkreis (Sachsen) und Schmalkalden-Meiningen (Thüringen) drei Kreise mit einer Inzidenz über 300. Die Inzidenz des Kreises Greiz hat aktuell sogar die 500er Marke überschritten. 13 weitere Kreise liegen bei einer Inzidenz von mehr als 200. Sehen Sie alle Inzidenzen hier:   
 
 

 

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