Todeszahlen 3 Wochen alt: Mediziner warnt vor „Mega-Lockdown auf Basis unbrauchbarer Zahlen“

Mediziner und Soziologe Bertram Häussler warnt davor, die täglich veröffentlichten Todeszahlen des RKI als Grundlage für Verschärfungen der Corona-Maßnahmen zu nehmen – sie seien dafür schlichtweg zu alt.

Am 15. Januar meldete das Robert-Koch-Institut, dass 1113 neue Covid-19-Todesfälle übermittelt worden seien. Am unabhängigen Gesundheitsforschungsinstituts IGES in Berlin sollen Mediziner und Soziologe Bertram Häussler und sein Team jedoch nachverfolgt haben, dass am 14. Januar gerade einmal 20 der 1113 gemeldeten Personen verstorben seien. Jeder zweite Tote sei bereits vor dem 27. Dezember gestorben.

Zahlen im Durchschnitt über drei Wochen alt

Viele Menschen und vor allem Medien nutzen die Todeszahlen des RKI jedoch, um damit das Infektionsgeschehen der letzten 24 Stunden zu beschreiben, was faktisch jedoch falsch sei, so erklärt Häussler gegenüber der „Welt“. „Die Zahlen, die das RKI jeden Morgen veröffentlicht, sind im Durchschnitt über drei Wochen alt. Die reflektieren nicht den gestrigen Tag, wie es oft über die Medien kommuniziert wird, sondern die vergangenen Wochen“, so der Mediziner.

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Zu dem Verzug käme es, weil viele Krankenhäuser nach einem Todesfall oft nicht, wie eigentlich gesetzlich vorgeschrieben, einen Meldebogen des RKI gemäß Infektionsschutzgesetz ausfüllen würden. Stattdessen werde nur eine Todesbescheinigung aufgefüllt, die über Umwege zu den Gesundheitsämtern gelange. Dort müsse man zudem erst einmal nachverfolgen, ob der Tote überhaupt an dem Virus verstarb.

Der aktuelle Lockdown zeigt Wirkung

Aus diesem Grund seien sie kaum aussagekräftig und man dürfe sie keineswegs als Beleg dafür sehen, wie gut oder schlecht ein derzeitiger Lockdown funktioniert. Da die Zahlen nicht akkurat die aktuelle Infektionslage widerspiegeln könnten, sei es „unhaltbar“ sie als Entscheidungsgrundlage für weitere Verschärfungen der Corona-Maßnahmen zu nehmen.  

Bertram Häussler sagt deutlich: „Uns droht ein Mega-Lockdown auf Basis unbrauchbarer Zahlen“. Man könne sehen, dass der bestehende Lockdown Wirkung zeige, da die Zahl der Intensivpatienten laufend seit dem 4. Januar sinke. Natürlich sei die neue Virus-Mutation eine „berechtigte Bedrohung“, so Häussler, aber er fordert dennoch: „Viel mehr sequenzieren und die Sterbezahlen pünktlich melden, anstatt auf Basis schwacher Daten den Mega-Lockdown auszurufen.“

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