Überdispersion: Ein Phänomen aus der Statistik zeigt, wie sprunghaft sich das Coronavirus verbreitet

Es sollte ein fröhlicher Abend werden. Doch die Party entpuppte sich später als ein Untersuchungsfall für die US-Gesundheitsbehörde CDC: Im Februar feierten Dutzende Menschen in einer Bar im US-Bundesstaat Illinois. Die Bar hatte neu aufgemacht und der Betreiber zu der Feierlichkeit in den Innenräumen geladen. Es wurde ein feuchtfröhlicher Abend mit Folgen.

Vakzine, Impfreihenfolge


Ab heute impfen auch die Hausärzte. Was das für die Kampagne bedeutet

26 Gäste und drei Angestellte erkrankten im Anschluss an Covid-19. Diese wiederum infizierten 17 weitere Personen, darunter zwölf Fälle in acht Haushalten mit Kindern, zwei in einem Schulsportteam und drei in einem Pflegeheim. Mindestens 46 Corona-Fälle wurden schließlich mit dem Abend in Verbindung gebracht. Eine Schule musste vorsorglich schließen. Für die 650 Schülerinnen und Schüler entfielen zusammen 9100 Tage Unterricht. 

Überdispersion – ein Motor der Pandemie

Fallbeispiele wie diese gibt es immer wieder. Sie zeigen, wie schnell und sprunghaft sich das Coronavirus ausbreiten kann. Aus einem Bezirk mit niedrigem Infektionsgeschehen kann auf diese Weise binnen kürzester Zeit ein Hotspot werden. Der Beobachtung liegt ein statistisches Phänomen zugrunde, das sich Überdispersion nennt. Vereinfacht gesagt bedeutet das: Nicht alle Corona-Infizierten geben das Virus im gleichen Maß weiter. Während der Großteil der Corona-Infizierten kaum weitere Personen ansteckt, gibt es einzelne Erkrankte, die etliche Folgeinfektionen nach sich ziehen und zu sogenannten Superspreadern werden. Experten schätzen, dass rund zehn Prozent aller Corona-Infizierten für rund achtzig Prozent aller Übertragungen verantwortlich sind. 

Was aber macht einen Corona-Infizierten zu einem Superspreader? Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) sind drei Aspekte von besonderer Bedeutung: die Eigenschaften der Person selbst, besondere Begleitumstände, aber auch wie empfänglich anwesende Personen gegenüber dem Virus sind. 

  • "Die individuelle Infektiosität unterliegt vermutlich einer großen Streuung, so dass wenige Personen sehr infektiös und viele weniger infektiös sind", schreibt das RKI. Bekannt ist auch, dass einige Personen besonders viele infektiöse Partikel beim Atmen, Sprechen oder Singen ausstoßen.
  • Das Coronavirus hat vor allem in kleinen Räumen mit schlechter Belüftung leichtes Spiel. Das Risiko für zahlreiche Ansteckungen steigt zusätzlich mit der Dauer des Aufenthalts oder wenn zusätzlich gesungen, laut gesprochen oder Sport getrieben wird.
  • Auch das persönliche Risikoprofil der anwesenden Personen spielt eine Rolle bei der Frage, ob ein Treffen zu einem Superspreading-Event wird, allen voran das Alter der Anwesenden und der Impfstatus.

Zu größeren Corona-Ausbrüchen kam es unter anderem bei Chor-Proben, in Fitnessstudios, bei religiösen Veranstaltungen, während einer Busfahrt in China oder in einem Nachtclub. Treffen in geschlossenen Räumen mit schlechter Belüftung, Menschenansammlungen und Gespräche ohne Maske sollten daher vermieden werden, rät das RKI. 

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch die US-Gesundheitsbehörde CDC, die über den Bar-Ausbruch in Illinois berichtete. Öffnen Lokalitäten, in denen potenziell mehrere Menschen zusammenkommen, sollte daher penibel auf Hygienemaßnahmen geachtet werden und die Treffen nach Möglichkeit im Freien abgehalten werden, so der Rat der Experten.

Einen zusätzlichen Hoffnungsschimmer gibt es nach Ansicht der CDC-Experten aber: Das Risiko für zahlreiche Folge-Infektionen sinkt weiter, wenn genügend Menschen gegen das Coronavirus geimpft sind. Den gefürchteten Superspreading-Events – einer der wesentlichen Motoren der Pandemie – geht so Stück für Stück und Spritze für Spritze der Sprit aus. 

Quelle:Centers for Disease Control and Prevention (CDC) / Robert Koch-Institut (RKI)

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