Du nimmst ständig zu und bist oft K.O.? Dahinter könnte ein winziges Organ stecken

Jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat eine veränderte Schilddrüse – oft ohne es zu wissen. Durch eine Über- oder Unterfunktion des empfindlichen Organs gerät der Körper schnell aus der Balance. Gewichtszunahme, depressive Verstimmungen, ständiges Frieren können die Folgen sein.

Unser Stoffwechsel sorgt dafür, dass Sauerstoff und Energie aus der Nahrung jede Zelle des Körpers erreichen. Damit die komplexe Ver- und Entsorgung klappt, ist eine Reihe von Hormonen nötig. Die wichtigsten dieser Botenstoffe produzieren die Schilddrüse und die Bauchspeicheldrüse.

Die Schilddrüse mischt überall mit

Die Schilddrüse ist das wohl wichtigste Organ für den Stoffwechsel. Sie beeinflusst mit ihren Hormonen zahlreiche Abläufe. Die schmetterlingsförmige Drüse im Hals wird aktiv, wenn das Hormon TSH aus der Hirnanhangdrüse sie stimuliert.

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T3 und T4 steuern uns rund um die Uhr

Die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (Thyroxin, T4) greifen aktivierend in fundamentale Stoffwechselprozesse ein. Sie nehmen Einfluss auf viele andere hormonproduzierende Organe. T3 hat die deutlich größere Wirkkraft, T4 ist dafür in viel höherer Konzentration vorhanden.

Aktiv schon im Mutterleib

Zusammen erhöhen T3 und T4 den Energieumsatz, sind zuständig für den Sauerstoffverbrauch der Zellen, die Verstoffwechselung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen, die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems und des Magen-Darm-Traktes, das Wachstum sowie die geistige Entwicklung – angefangen im Mutterleib.

Der TSH-Wert im Blut verrät, ob die Schilddrüse die richtige Hormonmenge produziert. Eine niedrige TSH-Konzentration deutet auf eine Schilddrüsenüberfunktion hin. Ein hoher Wert ist Anhaltspunkt für eine Unterfunktion des Organs. Fehlfunktionen sind häufig, die Symptome werden oft aber gar nicht mit der Schilddrüse in Verbindung gebracht.

Überfunktion macht hibbelig, Unterfunktion verlangsamt

Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion können Herzrasen, Bluthochdruck, Unruhe, Gewichtsabnahme, vermehrtes Schwitzen, Durchfall, Haarausfall, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen und Schlaflosigkeit sein. Die Hormonproduktion sollen dann Medikamente, die Thyreostatika, hemmen.

 

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Eine Schilddrüsenunterfunktion kann sich mit Leistungsminderung, Schwäche, Antriebsmangel, schlaffer Haut, geschwollenen Lidern, Müdigkeit, leichtem Frieren, kalten Händen und Füßen, Depressionen, chronischer Verstopfung, Gewichtszunahme und Appetitlosigkeit äußern. Hier helfen Tabletten mit künstlichem Thyroxin. Die Hormonpillen muss der Patient ein Leben lang einnehmen.

Insulin – das „Diabetes-Hormon“

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) im oberen Bauch produziert täglich bis zu drei Liter Flüssigkeit, die Verdauungsenzyme enthält. Spezielle Zellen des Organs bilden Insulin, das wohl bekannteste Stoffwechsel-Hormon. Insulin sorgt dafür, dass Zucker (Glukose) aus dem Blut in die Zellen geschleust und dort als Kraftstoff nutzbar wird. Es senkt dadurch den Blutzuckerspiegel und beeinflusst den Fett- und Proteinstoffwechsel. Das Hormon der Bauchspeicheldrüse spielt daher eine zentrale Rolle für Diabetes beziehungsweise Adipositas – die größten Plagen unserer Zeit.

Macht die Bauchspeicheldrüse schlapp, entsteht Diabetes

Wird der Körper regelmäßig mit Glukose aus der Nahrung überschwemmt, erhöht die Bauchspeicheldrüse zunächst die Insulinproduktion. Langfristig aber kippt der Blutzucker-Stoffwechsel: Die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse stellen die Arbeit ein. Der Betroffene ist jetzt zuckerkrank, er hat die chronische Stoffwechselstörung Diabetes mellitus vom Typ 2.

Schwangere brauchen mehr Insulin

Daneben gibt es noch den Typ-1-Diabetes, eine Autoimmunerkrankung, die meist in der Jugend ausbricht. Dabei zerstören die Zellen des Abwehrsystems die insulinproduzierenden Zellen. Der häufig auftretende Schwangerschaftsdiabetes vergeht üblicherweise nach der Geburt von selbst wieder. Dann reicht die Insulinproduktion für den Zuckerstoffwechsel der Frau wieder.

Überschüssiger Zucker wird in Fett umgewandelt und im Gewebe gespeichert. Je mehr Fett im Fettgewebe eingelagert ist, umso mehr Insulin wird für die Bewältigung des Fettstoffwechsels benötigt.

Für Diabetiker ist die Insulinspritze lebensnotwendig

Beendet die Bauchspeicheldrüse die Insulinproduktion, müssen Betroffene das überlebenswichtige Hormon individuell dosiert unter die Haut spritzen. So können sie ihren Blutzuckerspiegel langfristig steuern und normalisieren.

 

Insulin braucht Gegenspieler

Die Bauchspeicheldrüse produziert auch das Hormon Glukagon, den Gegenspieler des Insulins. Es bewirkt, dass der Organismus bei Energiebedarf Reservezucker zu Glukose abbaut und diese in die Blutbahn abgibt. Das Zusammenspiel von Insulin und Glukagon hält normalerweise einen stabilen Blutzuckerspiegel aufrecht.

Während erhöhtem Energiebedarf – schwerer Arbeit, Sport oder auch Stress – kommen auch die Hormone Kortison und Kortisol ins Stoffwechselspiel. Sie steigern die Glukosekonzentration im Blut. Die Hormone aus der Nebenniere bauen außerdem Eiweiße in der Muskulatur und Fett aus Fettgewebe ab. Daneben wirken sie antientzündlich und antiallergen.

Hormone gegen Übergewicht?

Hormone, die Appetit und Sättigung steuern, sind in den letzten Jahren in den Blickpunkt von Stoffwechselexperten geraten. Besonders Ghrelin und Leptin kamen als Waffen gegen Übergewicht und Fettleibigkeit in Betracht. Die Forschungsergebnisse sind widersprüchlich.

Ghrelin macht eher hungrig

Ghrelin entsteht überwiegend in der Magenschleimhaut und regt den Appetit an. In Hungerphasen steigt der Ghrelin-Spiegel im Blut, nach dem Essen sinkt er ab. Schlafmangel fördert die Ghrelin-Ausschüttung und trägt auf diese Weise vermutlich zur Entwicklung der Adipositas bei.

Tierversuche zeigten, dass das Hormon angstlösend und antidepressiv wirkt, gleichzeitig aber hungrig und dadurch eher dick als schlank macht.

„Ghrelin“ ist eine Abkürzung für Growth Hormone Release Inducing, übersetzt: die Ausschüttung des Wachstumshormons anregend. Das ist neben der Appetitförderung die zweite Hauptaufgabe von Ghrelin.

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    Leptin hat Fettkiller-Potenzial

    Leptin, das hauptsächlich die Fettzellen bilden, reguliert den Fettstoffwechsel und hemmt Hungergefühle. Es könnte also ein guter Appetitzügler sein. Aber: Ausgerechnet viele fettleibige Menschen weisen einen besonders hohen Leptin-Spiegel auf. Inzwischen weiß man, dass es sich dabei um eine Resistenz gegenüber dem Sättigungshormon handelt. Anderen Übergewichtigen könnte Leptin also möglicherweise helfen.

    Die Leptin-Forschung läuft weiter, auch zu einem anderen Einsatz des Hormons: Leptin hat sich in Tierstudien als bessere Alternative zu Insulin bewährt, zumindest für Typ-1-Diabetiker.

     

    Abgestimmtes Zusammenspiel zweier Unbekannter

    Stoffwechselhormone treten fast immer mit einem Gegenspieler auf, sie regulieren sich meist selbst oder unterstützen sich von unterschiedlichem Entstehungsort aus. Als Beispiel seien hier zwei weniger bekannte Hormone genannt, die gemeinsam für eine gute Verdauung sorgen:

    Sekretin aus dem Dünndarm fördert die Gallenbildung und hemmt die Magenbeweglichkeit sowie die Produktion von Magensäure. Gastrin entsteht in der Magenschleimhaut und steigert die Magenbeweglichkeit, fördert die Säurebildung im Magen und steigert die Ausschüttung von Gallen- und Bauchspeicheldrüsensekret.

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    Mit Material von: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), Internisten im Netz

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