Missverständnisse sind häufig: Gehe sicher, dass du deinen Arzt verstehst – so klappt es

Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie verstehen nicht, was Ihr Arzt Ihnen sagen möchte? Damit sind Sie nicht alleine: Missverständnisse im Behandlungszimmer sind kein Einzelfall. Medizinerin Alexandra Stumpenhagen erklärt, wie sie zustande kommen und wie Sie damit umgehen.

„Hier stimmt etwas nicht“, sagt der Arzt laut denkend und blickt auf die vor ihm liegenden Blutwerte. Der Patient sitzt völlig erstarrt ihm gegenüber und hat schon die schlimmsten Horrorszenarien im Kopf. „Wir müssen erneut Blut abnehmen“, so der Arzt weiter. Was soll man da als Patient denken? Auf die Idee, dass es sich um einen Blutabnahmefehler handeln kann oder die Werte aufgrund eines Messfehlers im Labor nicht in Ordnung sind, käme man in der Situation wahrscheinlich nicht sofort. Erst, wenn der Arzt den verunsicherten und panischen Blick des Patienten richtig deutet, klärt er gegebenenfalls die Situation auf. Manch einer merkt aber nicht, was in dem Patienten gerade los ist. Der Patient selbst fragt nicht weiter nach und verlässt die Praxis ahnungslos und doch mit zig Diagnosen im Kopf.

Solche und ähnliche Missverständnisse passieren täglich. Der Arzt sagt etwas, was der Patient anders deutet und die Verunsicherung und Angst wird groß. Manchmal reicht auch nur eine Geste oder Mimik des Arztes und der Patient ist sich sicher, schwer erkrankt zu sein. Und wer ist an solchen Situationen schuld? Definitiv beide Seiten. Sowohl der Arzt, der durch die tägliche Arbeitsroutine und mangelnde Zeit mögliche Kommunikationsfehler nicht wahrnimmt, als auch der Patient, für den ein Arztbesuch im Alltag eine Ausnahme darstellt, der aber nicht weiter nachfragt.

Über die Expertin

Alexandra Stumpenhagen arbeitet als Ärztin in Hamburg im Fachbereich der Inneren Medizin und ist passionierte Läuferin. Als sie schon in jungen Jahren die Diagnose Diabetes mellitus Typ 1 erhalten hat, war sie selbst auf der Seite des nichtfragenden Patienten. Später studierte sie Medizin und möchte nun als Ärztin ihre Patienten richtig aufklären. Ihr Buch Rhinitis acuta ist im Komplett-Media Verlag erschienen.

Routinierte Aufklärungsgespräche bergen beispielsweise ebenfalls die Gefahr, dass der Patient grundlos verunsichert wird.

Arzt sagt: Es kann bei der Intervention zu Blutungen kommen.

Patient denkt: Ich werde vielleicht verbluten?!

Arzt meint: Es ist sehr unwahrscheinlich, aber nicht ganz ausgeschlossen, dass man bei dieser harmlosen Routinekontrolle ein Gefäß verletzt, welches zu einer Blutung führen kann.

Solche Kommunikationsfehler können den Therapieverlauf maßgeblich behindern sowie das Vertrauen in die Behandlungsmaßnahmen reduzieren. Dabei ist es für den Therapieerfolg von großer Bedeutung, dass der Patient gut informiert ist und seinem Arzt vertraut. Umso wichtiger ist es, dass sowohl Arzt als auch Patient in solchen und ähnlichen Situationen darauf achten, dass beide Seiten sich korrekt verstanden haben.

Diese drei Situationen kommen dem einen oder anderen sicherlich auch bekannt vor

Situation 1

Arzt sagt: Um sicher zu gehen, dass da nichts ist, müssen wir die Untersuchung wiederholen.

Patient denkt: Da ist doch dann bestimmt etwas… es wird bestimmt etwas schlimmes gefunden.

Arzt meint: Die kleine Unregelmäßigkeit kann aufgrund schwieriger Untersuchungsbedingungen gesehen worden sein, wir gehen daher mit einer Kontrolle lieber auf Nummer sicher.

 

Situation 2

Arzt sagt: Haben Sie in letzter Zeit vermehrt Stress gehabt?

Patient denkt: Okay wow, hier wird man ja richtig ernst genommen. Bestimmt wird nichts untersucht, wenn ich jetzt „ja“ sage und alles auf den Stress geschoben.

Arzt meint: Die beschriebenen Beschwerden können durch eine Überlastung hervorgerufen worden sein – das sollte für die weitere Untersuchung und Therapie mitbedacht werden.

 

Situation 3

Arzt sagt: Es zeigte sich in der Röntgenaufnahme eine unklare Raumforderung. Wir müssen dem genauer nachgehen.

Patient denkt: Das kann doch nur Krebs sein, man kann das Kind ruhig beim Namen nennen… Wie lange hab ich noch?

Arzt meint: Ob die Raumforderung gut- oder bösartig ist, wissen wir noch nicht und werden versuchen es mit der nächsten Untersuchung herauszufinden.

Das sind nur wenige von vielen missglückten Kommunikationen zwischen Arzt und Patient. Auch Fachausdrücke, welche im Redefluss des Arztes fallen, führen zur Überforderung des Patienten, welcher den Empfehlungen des Arztes dadurch gegebenenfalls nicht nachgeht oder Medikamente nicht korrekt einnimmt.

Drittel der Deutschen hat Verständnisprobleme beim Arztgespräch

Die im vergangenen Jahr veröffentlichten Ergebnisse einer Umfrage des forsa Marktinstitutes im Auftrag der KKH zeigten, dass ein Drittel der Deutschen Verständnisprobleme in Ihren Arztgesprächen beklagen. Sowohl Fachausdrücke als auch Zeitmangel des Arztes im Gespräch wurden als Gründe angegeben. In Folge der Kommunikationsproblematik sei es beispielsweise zu Fehlverhalten nach medizinischen Eingriffen oder bei der Medikamenteneinnahme seitens der Patienten gekommen. Diese Umfrage macht mehr als deutlich, dass sowohl Ärzte als auch Patienten an der Arzt-Patienten-Kommunikation arbeiten müssen.

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